Sonntag, so heißt es, ist Familientag.
- Danijela Maljević

- 26. Juni
- 2 Min. Lesezeit
An diesem Sonntag gehe ich zum Mittagessen zu einer Familie, der nichts fehlt: Menschen, die sich lieben und füreinander sorgen, die gemeinsam bangen und gemeinsam Krisen überwinden, die kleine und große Erfolge miteinander feiern.
Der einzige wesentliche Unterschied zwischen dieser Familie und jeder anderen besteht darin, dass das Gesetz sie nicht anerkennt.
Dieser Unterschied zeigt sich in jedem Dokument, das dieser Staat ausstellt. Im Krankenhaus, im Erbrecht, in der Steuererklärung – überall dort, wo das Gesetz festlegt, wer für wen Familie ist und wessen Beziehung rechtlich anerkannt wird.
Stellen wir uns einen Tisch mit heißer Suppe und einem traditionellen Sonntagsessen vor. Freundinnen, Freunde und Weggefährtinnen und Weggefährten sitzen zusammen. Gläser und Besteck klirren, Gespräche vermischen sich, und jemand sagt: „Kannst du mir bitte das Brot reichen?“
Wie so oft sprechen wir darüber, wie sich der Kampf für gleiche Rechte in einem Land anfühlt, in dem es angeblich nie der richtige Zeitpunkt ist. Wir scherzen darüber, welche Uniform die Polizei beim nächsten Protest wohl tragen wird – vielleicht wieder in voller Schutzausrüstung. Wir erinnern uns an die Angriffe, die unsere Gemeinschaft in diesem Jahr erlebt hat und die längst Teil unseres gemeinsamen Familienalbums geworden sind.
Wieder sprechen wir darüber, warum es wichtig ist, weiterhin auf die Straße zu gehen und warum unsere Entschlossenheit trotz allem ungebrochen ist. Uns ist klar: Dieser Kampf gehört uns allen. Rechte wurden in der Geschichte niemals ausschließlich von denen erkämpft, denen sie verweigert wurden. Wir sitzen gemeinsam an diesem Tisch, weil wir wissen, dass Gerechtigkeit niemals Privatsache ist.
In dieser Entschlossenheit steckt etwas Vertrautes. Dieselbe Hartnäckigkeit, dieselbe Weigerung, auf die Erlaubnis zu warten, existieren zu dürfen, treibt auch die Entwicklungen an, die Serbien in den vergangenen Monaten geprägt haben.
Der Kampf um Freiheit dreht sich selten nur um ein einziges Thema. Meist verbindet ihn ein gemeinsamer Nenner: Würde und das Recht, vom Gesetz als gleichwertiger Mensch anerkannt zu werden.
Gleichheit ist ohne Solidarität nicht möglich.
Wir setzen uns für die rechtliche Anerkennung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften ein, weil wir keinen Grund sehen, warum Liebe und Verantwortung zwischen zwei Menschen vor dem Gesetz weniger wert sein sollten.
Niemand verliert etwas, wenn andere Rechte erhalten. Wir alle gewinnen, denn eine Gesellschaft, die die Rechte von Minderheiten schützt, schützt letztlich die Rechte jedes einzelnen Menschen.
Und manche Familien müssten endlich nicht mehr erklären, dass es sie gibt.
Sonntag ist Familientag.
Für alle Familien.



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